"Alle Menschen wurden erschaffen, eine ständig fortschreitende Kultur voranzutragen."
Stern

Bahá'í  Österreich

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Mensch sein
von:
Dr. Shima Poostchi, Unternehmensberaterin

Dr. Shima Poostchi, Unternehmensberaterin, Verlegerin und Trainerin für wertschätzende Lern- und Beziehungskultur

Die Vielfalt in der Natur wird nicht bloß toleriert, sondern bewundert und geschätzt. Wieso können wir dann die Vielfalt, die Menschen mit sich bringen nicht ebenso schätzen? Die Vielfalt nur zu tolerieren oder zu dulden kann nicht das Ziel sein, das wir anzustreben haben. Sie zu schätzen, willkommen zu heißen und uns daran zu erfreuen ist der Weg, den wir als Einzelne und Gesellschaft einschlagen müssen.

Die Frage ist weniger wie wir mit Vielfalt umgehen sollen, sondern wie gehen wir mit Menschen um? Wir alle wissen, dass kein Kind mit Vorurteilen, Rassismus, Nationalismus, Hass oder Neid zur Welt kommt. Dennoch sehen wir wie ein kleines reines Wesen, das wenige Jahre in der Welt lebt, bereits Annahmen und Einstellungen zu Menschen entwickelt hat. So entstehen Vorurteile. Diese Annahmen und Einstellungen können positiv, aber auch negativ und destruktiv sein. Wie traurig es uns alle macht, wenn wir hören, dass Kinder auf Grund ihrer Sprache, Hautfarbe, Religion oder ihrer körperlichen Erscheinung schikaniert werden. Mit Bedauern stellen wir fest wie gemein Kinder untereinander sein können. Irgendwann kann dieses Verhalten der Kinder zu einer Gewohnheit werden und Erwachsene beginnen zu akzeptieren, dass Kinder sich gegenseitig so behandeln und denken es sei normal: „Es gehört halt dazu!“ Es ist eine Gefahr, wenn wir diese Zustände akzeptieren. Es ist nicht normal und entspricht auch nicht der Natur des Menschen. Deshalb ist es wichtig, so ein Verhalten rechtzeitig zu korrigieren.

Vielleicht kann uns die Auseinandersetzung mit dem Thema „Mensch sein“ helfen ein Gespräch zu beginnen, das uns verschiedene Perspektiven eröffnet. So könnten wir Orientierung schaffen und damit ein Bewusstsein für die Art wie wir leben. Daraus ergibt sich eine andere Haltung unsere Kinder zu begleiten.

In gewisser Hinsicht ist jeder Mensch

  • wie alle anderen Menschen
  • wie einige andere Menschen
  • wie kein anderer Mensch

(nach Kluckhohn & Murray, 1953)

Dass jeder Mensch einmalig und einzigartig ist, ist eine Tatsache, die viele mit Staunen feststellen. Es gibt fast 8 Milliarden Menschen auf der Welt und keiner ist dem anderen vollkommen gleich. Jeder Mensch ist von Natur aus verschieden – nicht nur physisch, sondern auch in seinen Begabungen, Anlagen und seinem Temperament. Gleichzeitig hat der Mensch einen natürlichen Drang sich mit anderen zu sozialisieren und Gruppen zu bilden. Die Grundlage dieser Gruppierungen sind häufig Gemeinsamkeiten wie Sprache, Kultur, Regionalität, Tradition, Interessen oder Anliegen. Menschen kommen zusammen und fühlen sich mit anderen verbunden. Auf einer höheren Ebene ist jeder Mensch wie alle anderen Menschen – wir haben die gleichen Grundbedürfnisse und gehören alle einer großen Menschheitsfamilie an. Wenn das Bewusstsein, dass alle Menschen eine Einheit und deshalb miteinander verbunden sind außer acht gelassen wird, entstehen Vorstellungen von einem „wir“ und „die anderen“. Diese Vorstellung erzeugt häufig entweder Überheblichkeits– oder Minderwertigkeitsgefühle. „Die anderen“ werden vielleicht sogar als eine Bedrohung dargestellt und Feindbilder schlagen Wurzeln, die Ergebnisse dessen sind in der Welt sichtbar – von Machtausübung, Bevormundung, Demütigung bis zu Ausnutzung und Unterdrückung. Wie wichtig ist es dann, den Kindern alle drei Ebenen des Menschseins klar zu machen; wie einzigartig jeder Mensch ist, wie ähnlich der Mensch zu manchen anderen ist und wie gleich wir uns alle im Grunde sind.

In unserer Erziehung sollten wir deshalb peinlichst darauf achten unseren Kindern kein Gefühl von einem „bedrohlichen anderen“ direkt oder oft auch subtil zu vermitteln. Als Erwachsene, Erziehende und Begleitende sind wir aufgefordert auch unsere eigenen meist unbewussten Konditionierungen, Glaubenssätze und Vorurteile zu reflektieren. Und uns stets an unsere große Verantwortung erinnern, die wir gegenüber unseren Kindern haben – die ganz rein und vorurteilsfrei in die Welt gekommen sind.

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