Geheimplan zur totalen Überwachung der Bahá’í im Iran aufgedeckt

Die Österreichische Bahá’í-Gemeinde ist in Sorge um unmittelbare Gefahr für das Leben der Bahá’í im Iran Wien (OTS) – Die Österreichische Bahá’í-Gemeinde ist höchst alarmiert über die jüngste Nachricht der UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte und Religionsfreiheit, Asma Jahangir, wonach ein Geheimplan des iranischen Militärs bekannt wurde, der eine totale Überwachung der Anhänger des Bahá’í-Glaubens im Iran anordnet. Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Österreich appelliert an die Bundesregierung, alle ihr zur Verfügung stehenden Schritte zu unternehmen, um die hierdurch erkennbare massive Gefahr für die Sicherheit und das Leben der Bahá’í im Iran abzuwenden. Die Bahá’í stellen mit mehr als 300.000 Anhängern die größte nicht-islamische religiöse Minderheit im Iran dar, die seit ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert Verfolgungen ausgesetzt war.

Laut Pressemitteilung der Vereinten Nationen vom 20.März 2006 ist der Sonderberichterstatterin Jahangir ein Geheimplan bekannt geworden, der auf eine Anordnung des höchsten religiösen Führers, Ayatollah Khamenei zurückgeht. Hiernach richtete der oberste Befehlshaber der Streitkräfte des Iran in einem höchst vertraulichen Schreiben vom 29.Okober 2005 an die Revolutionsgarde und die Polizei die Weisung, dass jegliche Information über die Mitglieder des Bahá’í-Glaubens zu sammeln sei. Ihrem Bericht zufolge ist Frau Jahangir zutieftst besorgt, dass die Informationen, die aus einer solchen Überwachung – in Verletzung internationaler Standards -gewonnen werden „als Grundlage für zunehmende Verfolgung und Diskriminierung der Anhänger der Bahá’í Religion benutzt werden.“

Der Vertreterin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde mit Sitz in New York, Frau Bani Dugal, stellte als Reaktion auf die UN-Pressemitteilung fest, dass die Bahá’í-Gemeinde dankbar sein könne für die Offenlegung dieses geheimen Plans. Dieser deckt sich mit der systematischen Hetzkampagne gegen Bahá’í in den staatlich geführten Medien seit Oktober 2005 und der Aufstellung von Listen, die von der iranischen Wirtschaftskammer über die Beschäftigungssverhältnisse von Bahá’ís geführt werden. Frau Dugal appelliert: „Wir richten im Namen unserer iranischen Glaubensbrüder und -schwestern an alle Nationen und Völker den dringenden Appell nicht zuzulassen, dass friedliebende und gesetzestreue Menschen dem Äußersten ausgesetzt werden, zu dem blinder Hass führen kann. Die schrecklichen Taten, die in der Vergangenheit aus ähnlichen Umständen erwuchsen, dürfen nicht mehr zugelassen werden. Nicht noch einmal.“ In mehr als 30 Artikeln versuchte die offizielle Teheraner Tageszeitung „Kayhan“ in den letzten Monaten die Bahá’í und ihre Religion zu diffamieren und zu provozieren. Radio und Fernsehen schlossen sich mit Beiträgen an, welche die Bahá’í und ihre Überzeugung verurteilten. Dabei wird den Bahá’í der absurde Vorwurf gemacht, sie seien „Feinde Gottes“, „Feinde des Islams“, „Spione Israels“ und „Handlanger des Westens“. Der wieder zunehmende Einfluss auf iranische Regierungskreise durch die in den 50er Jahren zur Vernichtung des Bahá’í-Glaubens gegründete Anti-Bahá’í-Gesellschaft „Hojjatieh“ kann die bestehenden Befürchtungen nur noch vergrößern.

Mehr als 200 Bahá’í im Iran wurden allein in den letzten 20 Jahren nur aufgrund ihres Glaubens hingerichtet. Dank zahlreicher Interventionen seitens der Vereinten Nationen und mehrerer westlicher Länder sowie der internationalen Presse konnte die geplante Ausrottung dieser größten religiösen Minderheit im Iran verhindert werden. Die Unterdrückung der Bahá’í brach jedoch nicht ab. 1993 gelangte ein geheimes Memorandum der iranischen Regierung an die Öffentlichkeit, in dem angeordnet wurde, dass insbesondere der „Fortschritt und die Entwicklung“ der Gemeinde blockiert werden sollen. „Bis heute ist es den Bahá’í im Iran nicht erlaubt zu studieren; willkürliche Verhaftungen sind an der Tagesordnung und viele ihrer heiligen Stätten wurden systematisch zerstört“, so Otti Käfer, Geschäftsführende Sekretärin des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Österreich.



Rückfragen & Kontakt:

Bahá’í-Religionsgemeinschaft Österreich
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Frau Mag. Isma Forghani: isma.forghani@at.bahai.org
Frau Dr. Anja Spengler: anja.spengler@at.bahai.org

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