Bahá’í im Iran verfolgt und diskriminiert

Österreichische Bahá’í-Gemeinde appelliert an die Bundesregierung

Wien (OTS) – In einem offenen Brief an den iranischen Justizchef Ayatollah Sadegh Laridschani hat die Bahá’í-Weltgemeinde gegen die anhaltenden Verfolgungen der Bahá’í im Iran, der größten nicht-moslemischen Minderheit des Landes, scharf protestiert. In dem Brief werden die „zahlreichen verabscheuungswürdigen Maßnahmen“ angeführt, welche die Justiz gegen sieben führende Bahá’í setzte, die im Frühjahr 2008 inhaftiert und nach längerer Isolationshaft und unter unmenschlichen Haftbedingungen im September 2010 zu einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren verurteilt wurden.

Die Anklage warf ihnen u.a. „Propaganda-Aktivitäten gegen die islamische Ordnung“ und „Errichtung einer illegalen Organisation“ vor. Die sieben Bahá’í, darunter zwei Frauen, gehörten zu einer nationalen Koordinierungsgruppe der iranischen Bahá’í-Gemeinde und waren für die sozialen und religiösen Angelegenheiten der über 300.000 Bahá’í des Landes zuständig. Die Verurteilten haben die Beschuldigungen entschieden zurückgewiesen. „Die iranische Justiz hat skrupellos die Religion der Angeklagten und ihre Tätigkeit für die Bahá’í-Gemeinde völlig verzerrt dargestellt, um sie schuldig zu befinden“, sagte Ottilie Käfer, Pressesprecherin der Bahá’í-Religionsgemeinschaft in Österreich. Dazu komme, dass der Justizchef noch nicht offiziell die von den Anwälten der Verurteilten eingebrachte Berufung entgegengenommen hat und sie somit des Rechts beraubt sind, gegen Kaution freigelassen zu werden. Die österreichische Bahá’í-Gemeinde appellierte daher an die Bundesregierung, sich beim Iran für die Freilassung dieser sieben unschuldigen Bahá’í einzusetzen.

Die sieben Bahá’í wurden nach der Urteilsverkündigung vom Evin-Gefängnis in Teheran in das nicht weniger berüchtigte Gohardascht-Gefängnis in Karaj verbracht. Die Bedingungen dort sind Berichten zufolge erschütternd, und die Gesundheit der inhaftierten Bahá’í, die keinen Zugang zu erforderlicher medizinischen Betreuung haben, verschlechtert sich zunehmend. Das Urteil hat zu weltweiten Protesten von Regierungen und Menschenrechtsorganisationen und einzelnen Persönlichkeiten geführt, darunter der EU und dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes.

Verfolgungen der Bahá’í sind staatlich angeordnet

„Die Verurteilung der sieben unschuldigen Bahá’í hat weitreichende Folgen. Denn die Anklage richtet sich offensichtlich gegen die ganze Bahá’í-Gemeinde im Iran, deren Lebensfähigkeit ausgelöscht werden soll“, befürchtet Ottilie Käfer.

Die Anhänger des im 19. Jahrhundert von Baha’u’llah (1817-1892) im Iran gestifteten und heute weltweit verbreiteten Bahá’í-Glaubens, der die grundsätzliche Einheit der Religionen lehrt und sich für universale Erziehung und die Gleichberechtigung von Mann und Frau einsetzt, sind seit der Islamischen Revolution 1979 systematischen, staatlich angeordneten Verfolgungen ausgesetzt. Während der letzten dreißig Jahren wurden über 200 Bahá’í hingerichtet oder ermordet und Hunderte inhaftiert. Aus einem Anfang 1993 von den Vereinten Nationen veröffentlichten Geheimpapier des Obersten Islamischen Revolutionären Kulturrates aus dem Jahre 1991 geht hervor, dass die Bahá’í umfassend diskriminiert werden sollen, um ihren Fortschritt auf allen Ebenen zu behindern.

So bleibt Bahá’í auch heute noch ein Universitätsstudium verwehrt, sobald sie als Bahá’í identifiziert werden. Ihre Verwaltungseinrichtungen wurden 1983 aufgelöst, und sie dürfen ihren Glauben nicht frei praktizieren. Immer wieder kommt es zu Verwüstungen von Bahá’í-Friedhöfen; Bahá’í-Kinder werden von Lehrern wegen ihres Glaubens vor der Klasse gedemütigt; in regierungsnahen Medien erscheinen Hetzartikel gegen den Bahá’í-Glauben und seine Anhänger; Unternehmen werden von den Behörden veranlasst, keine Bahá’í zu beschäftigen; immer wieder kommt es auch zu willkürlichen Festnahmen.



Rückfragen & Kontakt:

Bahá’í-Religionsgemeinschaft Österreich
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Frau Mag. Isma Forghani: isma.forghani@at.bahai.org
Frau Dr. Anja Spengler: anja.spengler@at.bahai.org

Beitrag teilen auf:

Facebook
Twitter